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Kulturwissenschaftliche Fakultät

Fachgruppe Soziologie

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Reihe Klassiker der Wissenssoziologie

Die Bände dieser Reihe wollen in das Werk von Wissenschaftlern einführen, die für die Wissenssoziologie - in einem breit verstandenen Sinne - von besonderer Relevanz sind. Dabei handelt es sich vornehmlich um Autoren, zu denen bislang keine oder kaum einführende Literatur vorliegt oder in denen die wissenssoziologische Bedeutung ihres Werkes keine angemessene Würdigung erfahren hat. Sie stellen keinesfalls einen Ersatz für die Lektüre der Originaltexte dar. Sie dienen aber dazu, die Rezeption und das Verständnis des Œuvres dieser Autoren zu erleichtern, indem sie dieses durch die notwendigen biografie- und werkgeschichtlichen Rahmungen kontextualisieren. Die Bücher der Reihe richten sich vornehmlich an eine Leserschaft, die sich zum ersten Mal mit dem Studium dieser Werke befassen will.

Die Bände erscheinen beim Verlag UVK in Konstanz Link zur Verlagsseite.

Links zur Sammelrezension von Weidenschnur & Weiß in der Soziologischen Revue sowie Sammelrezension von Thorsten Benkel in der Soziologischen Revue.


Zusatzmaterial

Zu einigen Bänden gibt es Zusatzmaterial (Gesamtliteraturverzeichnisse, Linksammlungen, Rezensionen).

Dirk vom Lehn "Harold Garfinkel"Einklappen
Michaela Pfadenhauer "Peter L. BergerEinklappen
  • Englische Übersetzung des Bands von Michaela Pfadenhauer zu Peter L. Berger 
Heike Delitz "Arnold Dehlen"Einklappen
Jürgen Raab "​Erving Goffman"Einklappen
Gabriela Christmann "Robert E. Park"Einklappen

Klassiker der Wissenssoziologie, Bd. 5

Robert E. Park war eine herausragende Figur der Chicago School: Robert E. Park gilt als der Begründer der empirischen Stadtsoziologie und der humanökologischen Forschungsrichtung. Er prägte den Begriff des ›kollektiven Verhaltens‹, widmete sich der Erforschung von Rassenbeziehungen und Kulturkonflikten und setzte sich mit der Bedeutung von kommunikativen Vorgängen auseinander. Große Aufmerksamkeit schenkte er dem Einfluss von Massenmedien, insbesondere der Nachrichtenkommunikation.

Auf verschiedenen Gebieten der Soziologie trat Park seinerzeit durch viel beachtete Artikel hervor. Seine theoretischen Annahmen lösten lang anhaltende Fachdiskussionen und eine große Zahl empirischer Arbeiten aus. Bemerkenswert ist auch der von Park bevorzugte methodische Ansatz: Er vertrat die Auffassung, dass sich Soziologen mit den Lebensumständen und Lebensweisen der Beforschten aus nächster Nähe vertraut machen sollten. Park gilt daher auch als der Begründer der soziologischen Ethnographie.

Gabriela Christmann führt konzise und leicht verständlich in das Leben, das Werk und die Wirkung von Robert E. Park ein. Ebenso skizziert sie die Einflüsse, die für das Werk des Chicagoer Soziologen prägend waren. Sie stellt Parks Hauptwerke dar und argumentiert, dass sein Werk alles andere als eine Ansammlung von Arbeiten in verschiedenen speziellen Soziologien ist. Parks übergreifendes Interesse galt den kulturellen Wissens- und Lebensformen in der modernen Gesellschaft. Den Fokus seiner Betrachtung legte er auf die Großstadt, die er als paradigmatisch für das Leben in der Moderne ansah.

Gabriela Christmann ist Privatdozentin an der Technischen Universität Dresden.

Der Band ist Anfang 2007 erschienen.

Zusatzmaterial & Rezensionen zur gedruckten Ausgabe

Primärliteratur von Robert E. Park - Rückmeldungen an die Autorin - Rezension in der Kultursoziologie 16 (2007) 2

Martin Endreß "Alfred Schütz"Einklappen

Klassiker der Wissenssoziologie, Bd. 3

"What to do with a fellow who is both a social scientist and a philosopher". Dieser Gedanke, den Alfred Schütz angesichts der Reaktionen auf seine soziologische Perspektive im Jahr 1956 notierte, trifft bis heute den Kern der Debatten um sein Werk. Denn die in guter Tradition mit der Gründergeneration der Soziologie stehende produktive Stellung seines Werkes zwischen Philosophie und Soziologie motivieren seither Kritiken an seinem Arbeiten ebenso wie konstruktive Anschlüsse und Weiterentwicklungen der von ihm eröffneten Perspektiven.

Alfred Schütz hat das methodologische und theoretische Verständnis in den Sozialwissenschaften nachhaltig beeinflusst. Sein Werk leitete eine handlungstheoretische Wende im soziologischen Denken der Nachkriegszeit ein, die das Subjekt und seine im sinnhaften Handeln entstehende Lebenswelt ins Zentrum rückt.

Im einzigartigen Zwischenfeld von Soziologie und Philosophie gelingt es Alfred Schütz, eine eigenständige Theorie- und Forschungsperspektive für die Soziologie zu entwickeln. In seinem Werk verbinden sich grundlagentheoretische Überlegungen mit methodologischen Reflexionen. Anschaulich werden diese Überlegungen durch exemplarische Studien, etwa zur Wissensverteilung, zu den Phänomenen des ‚Fremden' und des ‚Heimkehrers', sowie zu wesentlichen Bezugsautoren für die verstehende Soziologie. Maßgeblichen Einfluss haben Schütz' Arbeiten deshalb ebenso auf wissenschaftstheoretische Überlegungen zur "Logik der Sozialwissenschaften", wie auf die Grundlegung einer handlungsanalytisch ansetzenden, auf die Rekonstruktion von Sinnstrukturen zielenden Soziologie. Sein Werk ist darüber hinaus für die methodische Orientierung der hermeneutisch verfahrenden qualitativen Sozialforschung von zentraler Relevanz.

Der Einführungsband von Endreß legt den Schwerpunkt auf die wissenssoziologischen Perspektiven des Werkes von Schütz. Diese werden vor dem Hintergrund der für ihn wesentlichen sozialen und intellektuellen Einflüsse dargestellt. Damit bietet diese Einführung eine umfassende Orientierung über die Grundlinien der von Schütz entwickelten Konzeption einer phänomenologisch fundierten verstehenden Soziologie. Damit wird das Buch auch zum Schlüssel für die ebenfalls bei UVK erscheinende Alfred Schütz Werkausgabe.

Martin Endreß ist Professor für Soziologie an der Universität Trier - Der Band erschien im September 2006. Bestellung hier

Zusatzmaterial zur gedruckten Ausgabe

Die Schriften von Schütz erscheinen derzeit in der ›Alfred Schütz Werkausgabe‹ (ASW) - Rückmeldungen an den Autor

Stephan Moebius "Marcel Mauss"Einklappen

Klassiker der Wissenssoziologie, Bd.2

»Mauss sait tout« – Mauss weiß alles. Diese Redensart der Pariser Studierenden Mitte der Zwanzigerjahre war nicht nur eine Aussage über die große Gelehrsamkeit des französischen Soziologen und Ethnologen Marcel Mauss, sondern machte explizit, dass der Neffe Emile Durkheims nach dessen Tod als eigentliches Haupt der Durkheim-Schule angesehen wurde.

Der Einführungsband stellt in prägnanter und allgemeinverständlicher Form das soziologische, ethnologische und religionswissenschaftliche Werk Mauss’ vor. Stephan Moebius legt dabei sowohl die sozialen als auch kognitiven und wirkungsgeschichtlichen Dimensionen des Mauss’schen Denkens dar und zeigt dessen Relevanz für die wissenschaftliche und politische Um- und Nachwelt auf. Die sozialen Dimensionen behandeln Mauss’ Biographie, sein wissenschaftliches Milieu, seine zentrale Rolle für die Entstehung der Ethnologie in Frankreich sowie sein Engagement für die Konsolidierung der Durkheim-Schule. Im Rahmen der Untersuchung der kognitiven Dimensionen kommen die Hauptwerke und -begriffe seines Schaffens zur Sprache: Seine Studien über die Magie, das Opfer, das Gebet, die Techniken des Körpers, die kollektiven Gewohnheiten und Vorstellungen ebenso wie die zentralen Begriffe des »Symbolischen«, des »sozialen Totalphänomens« oder des »totalen Menschen«. Nicht fehlen darf natürlich das Werk, mit dem Mauss allgemeine Berühmtheit erlangte und bis heute die Aufmerksamkeit auf sich zieht, seine Studie über die Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften, »Die Gabe«.

Mauss ist aber niemals nur ein reiner Wissenschaftler. Ebenso wichtig für das Verständnis seines Denkens sind die bislang wenig beachteten politischen Schriften und Aktivitäten, die Mauss als einen engagierten und scharfsinnigen Intellektuellen ausweisen. Enttäuscht von der Transformation der russischen Revolution und entsetzt über die Gewalt der Bolschewiken gilt sein ganzer Einsatz einem reformerischen Sozialismus und neuen Humanismus. Mauss nimmt die gegenwärtige politische Auffassung, die sozialen Probleme moderner Gesellschaften seien nationalstaatlich kaum zu lösen, praktisch schon vorweg. In »Europa« entdeckt er ein tragfähiges Ideal der Völkerverständigung; er glaubt fest an den Frieden und die Solidarität einer europäischen Föderation, in der jede Nation ihre Eigenart im internationalen Miteinander beibehält. Seine Hoffnung ruht auf den zukünftigen »Vereinigten Staaten von Europa«.

Mauss entwirft eine interdisziplinäre Sichtweise auf das Soziale, die eine bis in aktuelle Sozialtheorien hinein wirksame Verknüpfung zwischen Struktur und Handeln, Gesellschaft und Individuum sowie Soziologie, Psychologie und Biologie aufweist. Obwohl Marcel Mauss nicht nur der Neffe, sondern vor allem der wichtigste Schüler Emile Durkheims war und dessen Denken eigenständig weiterführte, ist er in Deutschland kaum bekannt. Umso erstaunlicher ist dies, da die Theorien von bspw. Claude Lévi-Strauss, dem Collège de Sociologie (Georges Bataille, Michel Leiris, Roger Caillois), Pierre Bourdieu, Jean Baudrillard und Jacques Derrida in zentralen Punkten auf die Arbeiten Marcel Mauss’ zurückgreifen.

Der Band ist im April 2006 erschienen.

Zusatzmaterial & Rezensionen zur gedruckten Ausgabe

Gesamtliste der Publikationen von Marcel Mauss - Sammlung einiger Originaltexte von Marcel Mauss - Rückmeldungen an den Autor - Homepage des Autors - Rezensionen: Kurzrezension vom 5.8.2006 in der NZZ - Rezension in der Zeitschrift für Ethnologie 132 (2007)

Bernt Schnettler "Thomas Luckmann"Einklappen

Klassiker der Wissenssoziologie, Bd.1

Thomas Luckmanns Werk als "Klassiker der dritten Generation" hat eine Wirkung entfaltet, die weit über die Soziologie hinausreicht. Sein Schaffen umfaßt weite Bereiche, die sich auf Beiträge zur Methodologie und Lebensweltanalyse, zu Handeln und Wissen, zu Religion, zu Sprache und Kommunikation, sowie zu Identität und Moral erstrecken.

Seine gemeinsam mit Berger verfasste "Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit" rangiert zusammen mit Werken Webers und Durkheims unter den zehn bedeutsamsten soziologischen Büchern überhaupt. Das Buch wurde zum Ausgangspunkt einer theoretischen Wende, die dazu verhalf, die Dominanz des strukturfunktionalistischen Denkens zu brechen und welche die Perspektive der Wissenssoziologie von den "Ideen" zu einer Analyse des Wissens in der Lebenswelt des Alltags verlagerte.

Luckmanns "Unsichtbare Religion" leitete die neoklassische Wende der Religionssoziologie ein. Dem entspricht der Rang, dem Luckmann als kardinalem Bezugsautor für das Wiedererstarken der ›verstehenden‹, interpretativen Soziologie in den letzten Jahrzehnten zukommt - seine Schriften zählen zu den wohl meistzitierten Grundlagen der jüngeren verstehenden Soziologie. Nicht zuletzt darf er als einer der bislang wenig berücksichtigten Urheber wesentlicher Impulse für die Debatte um Individualisierung und Spätmoderne gelten, die - zumindest indirekt - durch seine Arbeiten zur Identitätstheorie beeinflusst sind.

Dies markiert die für Luckmann insgesamt prägende, höchst produktive Verknüpfung zentraleuropäischer mit amerikanischen Denktraditionen - die gelungene Grenzwanderung zwischen unterschiedlichen Kulturen und Wissenschaftstraditionen, welche einen der wesentlichen Gründe für den bahnbrechenden und anhaltenden Erfolg des ›sozialkonstruktivistischen‹ Ansatzes darstellt.

Der Band ist im April 2006 erschienen. 

Zusatzmaterial zur gedruckten Ausgabe

Gesamtliste der Publikationen von Thomas Luckmann  - Errata: Hier hat der Druckfehlerteufel zugeschlagen - Rückmeldungen an den Autor


Verantwortlich für die Redaktion: Barbara Mayer

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